Freitag, 10. März 2017

EISIGE SCHWESTERN | S.K. TREMAYNE | REZENSION

Gestern gab es eine Rezension zu einem Liebesroman von Bettina Kiraly, den wir euch hier noch mal verlinken. Heute wechseln wir das Genre und berichten über einen spannenden Psychothriller. Eins vorab, es ist unmöglich das Buch anzufangen und dann nicht weiter zu lesen …


Allgemeine Informationen
Titel: Eisige Schwestern (The Ice Twins)   
Autorin: S.K. Tremayne  
Verlag: Knaur TB
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Psychothriller   
Seiten: 416
ISBN: 978-3426520147

Thema des Buches
In dem Psychothriller von S.K. Tremayne geht es um das Phänomen von eineiigen Zwillingen. Das Erbgut der beiden ist identisch, ihr Verhalten aber ist individuell …

Inhalt des Buches
Sie sehen gleich aus, sie spielen gemeinsam, sie leben zusammen, die eine weiß alles über die andere – nur zusammen sind sie komplett. Was, wenn eine von beiden sterben muss, geht dann auch ein Stück von der anderen? Lydia und Kirsti waren Zwillingsschwestern, bis Lydia im Alter von sechs Jahren bei einem tragischen Unfall stirbt. Für die überlebende Schwester und ihre Eltern bricht eine Welt zusammen, doch schon bald beschleichen die Familie, und vor allem die Mutter Sarah das Gefühl, dass hier etwas gar nicht stimmt. Auf einmal ist sie sich nicht mehr sicher, welchen ihrer Zwillingsmädchen diejenige ist, die ums Leben gekommen ist und welche von den beiden gerade vor ihr steht …

Rezension
Eisige Schwestern war mit Abstand das spannendste Buch, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Innerhalb von einem Wochenende hatte ich es durch. Die Bezeichnung Psychothriller ist sehr treffend, denn es geht einem sowohl vom Spannungsverlauf als auch von der Thematik an die Nieren. Sarah und Agnus haben mit dem Tod ihrer Tochter wohl das Schlimmste erlebt, was Eltern passieren kann und das macht die Geschichte zu keiner leichten Kost. 

Das Buch hat mich schon vor dem Lesen des Klappentextes durch sein Cover angesprochen. Die Farben sind blass bis auf die Kleider der Mädchen, welche in einem satten Rot erscheinen. Eine der Zwillingsmädchen ist durchsichtig dargestellt, was das Cover unheimlich wirken lässt. Diese mysteriöse Symbolik ist sehr treffend gewählt und beschreibt gut die düstere Stimmung, welche sich durch das ganze Buch zieht.

Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass es hier ein unschönes Geheimnis gegen muss. Die Eltern, aber auch die beiden Mädchen, waren mir nicht unsympathisch, aber so richtig warm geworden bin ich mit ihnen auch nicht. Das fand ich nicht weiter schlimm, denn der Autor hat die Leser von Beginn an wissen lassen, dass mit der Familie etwas ganz und gar nicht stimmt. Da bin ich irgendwie etwas auf Abstand gegangen, weil man ja nie weiß, was einen so erwartet.

Das Thema Zwillingskinder finde ich schon lange interessant. Zwei Menschen, die das gleiche Erbgut in sich tragen und sich zum Verwechseln ähnlich sind, wollen trotzdem als individuelle und einzigartige Menschen betrachtet werden. Der Umgang der Eltern mit den Mädchen, vor allem der mit der Überlebenden, hat mir oft nicht gefallen. Besonders die Mutter Sarah wirkt für mich das ganze Buch über sehr labil und hat mit ihrem fragwürdigen Verhalten so einiges angerichtet.

Die Kunst der Verwirrung beherrscht Herr Tremayne sehr gut, er wirft immer wieder Fakten in das Geschehen, die dieses wieder umschmeißen, kurz bevor man meint hinter die Fassade blicken zu können. Die Mädchen trieben zu Zeiten als beide noch lebten mit ihren Mitmenschen gern ein gemeines Spiel, in dem sie die Identität des anderen Zwillings annahmen und damit für Verwirrung sorgten. Etwas unheimlich finde ich, dass sie dies nach dem Tod von Lydia (oder Kirsti) noch weiterspielen. Auch als Leser tappt man mehr als einmal in ihre Falle.   

Gewünscht hätte ich mir ein paar mehr emotionale Berührungspunkte zu den Figuren des Thrillers. Selbst die Zwillingsmädchen mit ihren blonden Haaren und den blauen Augen konnten mich nicht ergreifen. Aber vielleicht ist das auch so herbeigeführt vom Autor, denn diese von mir empfundene Gefühlskälte, spiegelt sich in der Familie der Zwillinge wieder. Das war mal eine etwas andere, aber auch interessante Erfahrung, nicht mit den Protagonisten mitzuleiden, sondern sich im Verlauf der Handlung mehr und mehr von ihnen zu distanzieren. 

Deswegen bekommt das Buch von mir durch diese Unnahbarkeit auch keinen Abzug, weil ich finde, es passt zum Gesamteindruck.                    

Wer ist hier wirklich gestorben? Lydia? Kirsti? Welcher der beiden Elternteile hat etwas zu verbergen? Wer auf schaurige Geschichten steht, die unter die Haut gehen stehen, sollte dieses Buch unbedingt lesen …

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Weitere Werke des Autors
Stiefkind  
The Fire Child
La Menace

Quelle:
Tremayne, S.K.: Eisige Schwestern. Knaur TB. 2016