Montag, 25. September 2017

DIE BESTIMMUNG - LETZTE ENTSCHEIDUNG VON VERONICA ROTH | BUCHDISKUSSION

Lang ist es her, dass es eine Buchempfehlung von uns gab. Umso besser, dass es wieder einen Post aus dem Bereich Buch und Lesen gibt. Diesmal aber keine Empfehlung sondern eine Rezension mit Spoiler. Dieser Beitrag soll zum Diskutieren und Reflektieren einladen. Er ist also für euch das Richtige, wenn ihr das Buch bereits gelesen habt.

Zur kleinen Auffrischung hier der Klappentext:     

Wohin gehst du wenn dein ganzes Leben eine Lüge ist? Tris muss eine letzte Entscheidung treffen…

Die Fraktionen haben sich aufgelöst und Tris und Four erfahren, dass ihr ganzes Leben eine Lüge ist: Es gibt eine Welt außerhalb ihrer Stadt, außerhalb des Zauns. Gemeinsam wollten Tris und Four diese neue Welt erkunden wollen. Doch ihr Vorhaben stößt auf erbitterten Wiederstand. Und auch ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als die beiden erkennen, dass die Lüge, die ihr Leben bestimmt, noch gewaltiger ist, als sie es sich vorstellen. In größter Gefahr muss Tris eine Entscheidung treffen – und riskiert alles …

Meine Meinung (Achtung Buchspoiler)
Vorweg kann ich sagen, dass mir das Buch bzw. die ganze Buchreihe auf jeden Fall sehr gefallen hat. Ich würde sogar behaupten, dass diese Trilogie zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Sie ist sehr fesselnd und spannend geschrieben und ich finde diese Idee der fünf Fraktionen (furchtlos, intelligent, friedlich, ehrlich und selbstlos) interessant. Eine tolle Science-Fiction Story, die darstellt, wie unsere Welt mal aussehen könnte. Die Autorin hat meiner Meinung nach einzigartige Charaktere erschaffen, die erstaunliche Entwicklungen durchmachen. 

Da hätten wir Beatrice/Tris, die in einer Welt aufgewachsen ist, wo alle selbstlos sind. Sie will da irgendwie raus und beweist dafür extremen Mut. Bei ihr merkt man, dass sie für mehrere Fraktionen geeignet ist. Sie ist selbstlos, mutig und schlau und macht eine extreme Entwicklung durch von einem jungen Mädchen, welches Angst vor ihrem Eignungstest hat bis hin zu einer Frau, die bereit ist sich zu opfern. Dann gibt es Tobias/Four, der eine schlimme Kindheit und Jugend erleben musste, da ihn seine Mutter bei einem gewalttätigen Vater zurückgelassen hat. Dadurch hat er sich eine dicke Haut zugelegt und ist sehr mutig und stark geworden. Caleb hat sich von Janine einwickeln lassen und war deswegen sogar bereit seine eigene Schwester sozusagen hinzurichten. Peter, den man einfach nie vertrauen konnte, da er immer irgendwelche Hintergedanken hatte und sehr vom Egoismus geprägt wurde.

Wie man merkt, die Charaktere sind sehr komplex und facettenreich angelegt, was dem Buch eine gewisse Tiefe verleiht.         

Schockiert hat mich das Ende in dem die Hauptperson Tris ums Leben kommt. Sie war über alle drei Bücher hinweg eine wahre Heldin, umso trauriger ist es natürlich, wenn diese am Ende stirbt. Der Plan, dass sie den Untergang ihrer Heimat stoppt und die Welt außerhalb des Zaunes unter das Gedächtnisserum setzt, hat sie letztendlich das Leben gekostet.    

Ich habe auf jeden Fall Respekt vor der Autorin, dass sie die bedeutendste Person des Buches sterben lassen hat. Ihr war bestimmt bewusst, dass dies bei den Lesern nicht gut ankommen würde, denn man identifiziert sich im Laufe der Geschichte mit ihr, hofft und bangt und am Ende ist sie tot. Doch letztendlich ist der Tod von Tris nur realistisch, nüchtern betrachtet zu mindestens. In einer Rebellion gibt es Opfer und es sterben viele Menschen, eben auch die Helden.
Oft ist es ja so, dass ein paar beliebte Figuren sterben, aber die Hauptpersonen am Ende knapp überleben. Ich erinnere mich da an Die Tribute von Panem (Achtung Spoiler), wo Primrose zum Entsetzen der Leser gestorben ist, aber durch das Überleben von Katniss, Gale und Peta ist ihr Tod dann wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Es kommt zwar Wut auf, dass gute Personen gehen müssen, aber diese flacht wieder ab, da die wahren Helden überleben dürfen. Veronica Roth hat mit dem Tod von Tris für eine große Überraschung gesorgt, denn sie hat dadurch ein nicht voraussehbares Ende geschaffen. Das macht das Buch natürlich zu etwas ganz Besonderem, trotzdem kann ich dieses Ende nicht gutheißen. Ich hätte mir für Tris und Four einen guten Abschluss gewünscht. Gut, wer nicht? Und was heißt denn gutes Ende, wenn man so viele geliebte Menschen verloren hat? Aber ich hätte mir ein Leben miteinander für die beiden erhofft. So viel erlebt und durchgemacht und dann muss einer von beiden sterben. Das ist nicht fair, aber was ist schon fair? Tris hat Four geholfen dessen schlimme Vergangenheit zu bewältigen und einen besseren Menschen aus ihm gemacht.

Man hat sich sehr an den Charakter von Tris gebunden, denn die ersten beiden Bücher waren aus ihrer Perspektive geschrieben, umso schwieriger gestaltete sich der Verlust am Ende für mich als Leser. Aber ihr Tod war auf keinen Fall umsonst. Sie hat sich für eine neue Weltansicht geopfert, in der es keinen Unterschied mehr zwischen Genetik Perfekten und Genetik Defekten gibt. In einer Welt, wo jeder Mensch gleich gestellt ist und gleich angesehen wird. Leider kann sie an dieser Welt, an ihrem Werk nicht mehr teilnehmen. Das macht die Geschichte sehr tragisch. Aus diesem Grund hat mir das Ende der Verfilmung besser gefallen, denn dort darf Tris überleben. Ihre Handlung, dass sie sich für ihren Bruder opferte, obwohl dieser ihr schlimme Dinge angetan hat, ist natürlich sehr edel und passt definitiv zu ihr. Dennoch hätte man es bei der Handlungsabsicht belassen können und diese nicht in die Tat umsetzen müssen. So gäbe es ein gemeinsames Leben für Tris und Four, neue Lebensumstände für die sie beiden so hart gekämpft haben.  

Besonders gefallen hat mir an dem Buch die Entwicklung von Peter und Caleb. Peter hat sich immer auf die Seite gestellt, bei der etwas für ihn rauskommt. Er war sehr gemein und gehässig. Doch am Ende hat er das selber erkannt. Er wusste, dass er sich nie ändern würde und hat deswegen das Gedächnisserum zu sich genommen. Dadurch hat er vergessen wie oder wer er war und konnte sich ein neues Leben als besserer Mensch, in dem er nicht immer mit Hintergedanken handelt aufbauen. Caleb hat Tris verraten, er hat sie zu ihrem sicheren Tod geführt und hat dabei zugesehen und sogar geholfen sie zu foltern. Er, der der Meinung war die „Art“ Mensch wie Tris, würde das Fraktionssysstem und damit die Menschheit gefährden. Doch am Ende war er bereit sich für eine gute Sache und für die Vergebung von Tris zu opfern. Auch wenn es dazu nicht kam, hat er eingesehen, dass er einen Fehler gemacht hat, den er zuvor nur versucht hat zu rechtfertigen. Also auch hier eine enorme Entwicklung des Charakters.  

Für mich ein sehr gelungenes Werk mit klarer Weiterempfehlung, welches von mir eigentlich 5 Sterne bekommen würde. Da ich mich aber mit dem Ende nicht identifizieren kann und ich der Meinung bin dieses ist nicht unveränderbar und wäre ohne Einbußen in der Geschichte auch variabel gewesen (siehe Film), ziehe ich einen Stern ab und der dritte Teil bekommt von mir 4 von 5 möglichen Sternen.  

Ich denke, die Autorin wollte zeigen, dass es bei einem Krieg immer Opfer gibt. Gut, sie wollte es uns nicht unbedingt zeigen, denn das wissen wir alle, aber verdeutlichen und dies kann man ja nicht oft genug tun. Letztendlich ist der Mensch ja mit seinen Sichtweisen über Reinheit, wie hier im Fall mit seinem Wunsch nach reinen Genen, schuld an dem Krieg und damit auch an den Opfern. Die Autorin wollte vielleicht zeigen, wie schlimm diese Opfer sind, indem sie uns den „Schmerz“ zufügt, den bestimmt viele erlebt haben, als die Heldin am Ende gestorben ist. Nicht, dass man dies miteinander vergleichen kann, aber zurück bleibt ein mulmiges Gefühl, denn das Ausmaß von menschlicher Dummheit ist so verheerend ...

Was ist eure Meinung über das Buch bzw. die Trilogie? Wie findet ihr Geschichten, in denen die Hauptfiguren bzw. Helden am Ende sterben müssen?

Ich freue mich auf eure Kommentare.

Liebe Grüße von Miri

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Quelle: Roth, V.: Die BestimmungLetzte Entscheidung. München: Goldmann Verlag, 2015.