Donnerstag, 15. September 2016

DARK MEMORIES - NICHTS IST JE VERGESSEN | WENDY WALKER | REZENSION

Gestern gab es einen von uns sehr geschätzten Kriminalroman von Charlotte Link. Heute wechseln wird das Genre, wir bleiben zwar in der Kategorie Spannung, diesmal aber mit einem Thriller, genauer bezeichnet einem Psychothriller. Ich mag es, wenn es beim Lesen unter die Haut geht, wenn es kribbelt vor Spannung und ich mich beim Lesen mit den Personen identifizieren kann. Es ist wie, als würde ich in eine andere Welt eintauchen und die eigene kurz verlassen. 

Aus diesem Grund lese ich am liebsten Spannungsromane, Krimis oder Thriller. Deswegen habe ich auch in der Buchhandlung nach ewigen Stöbern und mangelnder Entscheidungsfreudigkeit den Thriller des Jahres an die Kasse geschleppt. Hierbei handelt es sich um Dark Memories - Nichts ist je vergessen von Wendy Walker. Die Inhaltsangabe klang vielversprechend, also freute ich mich auf ein paar spannende Stunden mit dem Buch. Der Thriller des Jahres kann einen doch nicht enttäuschen, oder doch?


Allgemeiner Teil
Dark Memories - Nichts ist je vergessen ist ein Thriller bzw. Psychothriller von Wendy Walker aus dem Jahr 2016, welcher im FISCHER Scherz Verlag erschienen ist. Das Werk umfasst 384 Seiten und ist für 14,99 € erhältlich. Der Thriller war ein SPIEGEL-Bestseller.

Handlungsplot (Klappentext des Buches)

>>Du musst dich erinnern, Jenny. Du musst dich erinnern, was in jener Nacht im Wald geschehen ist.<<
Jennys Erinnerung wurde ausgelöscht. Künstlich, durch ein Medikament. Damit sie weiterleben kann, trotz der furchtbaren Ereignisse jener Nacht. Und ohne die Bilder für das Schreckliche im Kopf. Aber ihr Körper hat nicht vergessen. Er weiß noch immer, was ihm angetan wurde. Mit ihren Therapeuten rekonstruiert Jenny Stück für Stück was zu Tage tritt, wirklich das, was passiert ist? Und kann sie denen, die ihr helfen wollen, vertrauen?

>>Dieses Buch dürfen Sie auf keinen Fall verpassen!<< Karin Slaughter

Die Protagonisten
Jenny Kramer (Opfer)
Tom Kramer (Vater von Jenny)
Charlotte Kramer (Mutter von Jenny)
Lucas Kramer (Bruder von Jenny)
Alan Forrester (Therapeut)
Julie Marin Forrester (Ehefrau des Therapeuten)
Jason Forrester (Sohn des Therapeuten)
Sean Logan (Navy Seal)
Bob Sullivan (Affäre von Charlotte)
Glenn Shelby (Patient von Alan Forrester)
Detective Parsons

und weitere …

Thema des Buches
Kein Mensch ist vor schlimmen Erlebnissen bewahrt, die das Leben für immer verändern können. Eine Lösung ist die Auslöschung der Erinnerung an jenes schreckliches Ereignis. Doch was, wenn es trotzdem Signale des Körpers und der Seele gibt, die verraten, dass etwas nicht stimmt? Der Thriller von Wendy Walker thematisiert den Wunsch nach Vergessen und dessen Unmöglichkeit …

Rezension
Inhalt
Gerade mal 16 Jahre alt ist Jenny, als sie auf brutalste Weise vergewaltigt und misshandelt wird. Sie überlebt und kommt in ein Krankenhaus. Die entsetzen Eltern müssen eine schwierige Entscheidung treffen: Sollen die schrecklichen Erinnerungen an jenen Abend mithilfe eines Medikamentes für immer ausgelöscht werden? Beide Elternteile lieben ihre Tochter, doch sie gehen sehr unterschiedlich mit dieser Entscheidung um. Schließlich beschließen sie, dass sich ihre Tochter nicht ein Leben lang quälen soll, und entscheiden sich für das Medikament.

Trotzdem kann nicht einfach alles vergessen werden. Jenny ist trotz der Medikamente weit entfernt von einem normalen Leben einer 16 – Jährigen. Auch die Familie geht seither durch die Hölle. Irgendetwas stimmt nicht. 

Schließlich wird der Familie klar, dass Jenny ihr Trauma nie verarbeiten wird, wenn sie sich nicht mit der Vergewaltigung konfrontiert und diese Stück für Stück aufarbeiten kann. Doch dazu braucht sie ihre Erinnerungen wieder, worauf sich die Familie in die Behandlung von Doktor Alan Forrester begibt.

Dieser gleitet im Verlauf seiner Arbeit mit Jennys Familie immer tiefer in die Therapie, die Grenzen verschwimmen allmählich und er muss eine wichtige Entscheidung treffen. Diese geht entweder zugunsten von Jenny oder ihm und seiner Familie aus … 

Schreibstil
Das Buch ist gut geschrieben, der Schreibstil ist fließend und einfach zu lesen.
Die Erzählweise hingegen ist etwas außergewöhnlich. Der Ich-Erzähler ist der Therapeut Alan, über den in verschiedenen Dialogen auf seiner Therapeuten Couch das meiste der Handlung erzählt wird. Eigene Handlungsstränge gibt es sehr wenig ... Hat man ein paar Seiten gelesen gewöhnt man sich schnell daran. Trotzdem finde ich, könnten dem Buch ein paar aktive Szenen, in den tatsächlich gehandelt wird nicht schaden. Durch die ständigen Dialoge wirkt es zuweilen etwas langatmig. Man wartet ständig darauf, dass endlich mal etwas passiert. 


Mein Gesamteindruck
Das Wichtigste, was es zu klären gilt, sind die Erwartungen, die man an das Buch stellen kann. Diese werden nämlich meiner Meinung nach völlig falsch angepriesen. Für mich ist Dark Memories definitiv kein Thriller, sondern eher ein psychologischer Roman. Mir fehlt in der ersten Hälfte des Buches komplett die Spannung. Ich kann einem Therapeuten bei der Arbeit über die Schulter schauen, mehr aber auch nicht. Erst in der zweiten Hälfte, als sich ein Geheimnis um den Therapeuten Alan auftut, kommt etwas Spannung ins Spiel.
Das Buch beschreibt, mit viel psychotherapeutischen Wissen, die Auswirkungen einer Vergewaltigung auf die Familie. Während der ganzen Geschichte wird nach und nach ein Familienpsychogramm erstellt.

Was mich erheblich stört ist, dass ich regelrecht emotionslos mit den Figuren des Buches umgegangen bin, weil ich durch diese alleinigen Couchszenen keinen Zugang zu ihnen finden konnte. Am besten gelang mir das vielleicht noch bei Jenny, aber auch von ihr erfährt man verhältnismäßig wenig. Die ganze Geschichte scheint unwirklich und fern. Alle Figuren sind sehr distanziert, trotz ihrer schlimmen Schicksale, auf die während der Geschichte immer mehr Last gepackt wird, ist es schwer sich in sie einzufühlen.

Hat man sich durch die erste Hälfte gequält, wird man mit einem Überschlagen der Ereignisse belohnt, welche dann doch recht viel Spannung aufbaut. Das ständige Abschweifen, das zunächst völlig belanglos erscheint, macht dann auch Sinn. Am Ende verstricken sich alle Parallelhandlungen zu einem Strang, was aber während des Lesens sehr anstrengend wirkt …

Eine Empfehlung kann ich nur aussprechen, falls ihr auf der Suche nach einem psychologischen Spannungsroman seid, der sehr in die Tiefen der therapeutischen Arbeit geht. Als Thriller des Jahres kann ich ihn definitiv nicht akzeptieren. Wer einen klassischen Thriller lesen möchte, also ein Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung und ordentlich mitfiebern will, sollte dieses Buch nicht kaufen.

Weiter oben hatte ich beschrieben, was mir an Spannungsbüchern so gefällt: Ich mag es, wenn es beim Lesen unter die Haut geht, wenn es kribbelt vor Spannung und ich mich beim Lesen mit den Personen identifizieren kann. Leider traf davon gar nichts auf Dark Memories zu, was ich als sehr enttäuschend empfinde ...     

Weitere Werke der Autorin
All Is Not Forgotten
Four Wives
Social Lives

Falls ihr das Buch schon gelesen habt, dann schreibt eure Meinung gern in die Kommentare!

Eure Karo

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Quelle: Walker, Wendy: Nichts ist je vergessen. FISCHER Scherz Verlag 2016.