Freitag, 10. März 2017

„EISIGE SCHWESTERN“ VON S.K. TREMAYNE | BUCHREZENSION

Das Phänomen eineiiger Zwillinge ist ein weit erforschtes Feld. Zwei Menschen, die das gleiche Erbgut in sich tragen, aber trotzdem einen individuellen Charakter entwickeln können. Diese spannende Thematik macht sich S.K. Tremayne in seinem neusten Psychothriller zu nutzen. Erschienen am 01.12.2016 im Knaur Taschenbuch Verlag, verspricht das Buch auf 416 Seiten Hochspannung und Gänsehaut. 

Inhalt des Buches
Sie sehen gleich aus, sie spielen gemeinsam, sie leben zusammen. Die eine weiß alles über die andere – nur zusammen sind sie komplett. Was, wenn eine von beiden sterben muss, geht dann auch ein Stück von der anderen? Lydia und Kirsti waren Zwillingsschwestern, bis Lydia im Alter von sechs Jahren bei einem tragischen Unfall stirbt. Für die überlebende Schwester und ihre Eltern bricht eine Welt zusammen, doch schon bald beschleichen die Familie, und vor allem die Mutter Sarah das Gefühl, dass hier etwas gar nicht stimmt. Auf einmal ist sie sich nicht mehr sicher, welchen ihrer Zwillingsmädchen diejenige ist, die ums Leben gekommen ist und welche von den beiden gerade vor ihr steht …

Rezension
Die Bezeichnung Psychothriller ist sehr treffend, denn die Geschichte geht einem sowohl vom Spannungsverlauf als auch von der Thematik an die Nieren. Sarah und Agnus haben mit dem Tod ihrer Tochter wohl das Schlimmste erlebt, was Eltern passieren kann. Das Cover verweist mit seinen blassen Farben, einzig die Kleider der Mädchen erscheinen in einem sattrot, auf eine frostige Stimmung. Eine der Zwillingsmädchen ist durchsichtig dargestellt, was das Coverbild unheimlich wirken lässt. Diese mysteriöse Symbolik ist sehr treffend gewählt und beschreibt gut die düstere Atmosphäre, welche sich durch das ganze Buch zieht. Als Leser hat man ein ungutes Gefühl, eine Vorahnung, dass es hier ein unschönes Geheimnis geben muss. Die ausbleibende Empathie, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern ist ein Indiz dafür, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmen kann.

Die Kunst der Verwirrung beherrscht Herr Tremayne sehr gut. Kurz bevor man meint hinter die Fassade blicken zu können, bringt er unvorhersehbare Fakten ein, die das ganze Geschehen wieder umschmeißen. Die Mädchen trieben zu Zeiten, als beide noch lebten mit ihren Mitmenschen gern ein gemeines Spiel. Sie tauschten ihre Identitäten und verwirrten damit ihr gesamtes Umfeld. Auch als Leser tappt man mehr als einmal in ihre Falle.

Der Autor schafft kaum emotionale Berührungspunkte zu den Figuren seiner Geschichte. Selbst die Zwillingsmädchen mit ihren blonden Haaren und den blauen Augen können einen kaum ergreifen, da sie als unheimlich und geheimnisvoll dargestellt werden. Möglich, dass dies so gewollt ist, denn eine gewisse Gefühlskälte spiegelt sich in der ganzen Familie wider. Eine interessante Erfahrung, mal nicht mit den Protagonisten mitzuleiden, sondern sich im Verlauf der Handlung mehr und mehr von ihnen zu distanzieren. Das Buch bekommt deshalb auch keinen Abzug in der Bewertung, weil die Unnahbarkeit zum Gesamteindruck passt.

Wer ist hier wirklich gestorben? Lydia? Kirsti? Welcher der beiden Elternteile hat etwas zu verbergen? Wer auf schaurige Geschichten steht, die unter die Haut gehen, sollte dieses Buch unbedingt lesen … Es erhält eine Bewertung von 5 Sternen.

Weitere Werke des Autors:
Stiefkind 
The Fire Child

La Menace
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Karo

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Quelle: Tremayne, S.K.: Eisige Schwestern. Knaur TB. 2016.